Die Untersuchung vieler österreichischer und bayerischer Straßen- und Autobahnabschnitte brachte eine Reihe überraschender Funde. Der Duft-Klebalant (Dittrichia graveolens) stellte im Jahr 2001 einen Neufund für die Flora Österreichs dar. Nach seinem “Grenzübertritt” bei Suben (A8) wächst dieser Korbblütler heute an vielen österreichischen Autobahnen, wo er die Mittelstreifen eindeutig bevorzugt.
Zu dieser salztoleranten, sich heute an unseren Straßen weiter ausbreitenden Gesellschaft zählen weiters die Verschiedensamige Melde (Atriplex micrantha), die Salz-Schuppenmiere (Spergularia salina), der Salz-Schwaden (Puccinellia distans), der Grau-Gänsefuß (Chenopodium glaucum), Streifen-Gänsefuß (Chenopodium strictum), Spieß-Melde (Atriplex prostrata), Glanz-Melde (Atriplex sagittata), das Beifuß-Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), das Schmalblatt-Greiskraut (Senecio inaequidens), die Ruderal-Kresse (Lepidium ruderale), die Mähnen-Gerste (Hordeum jubatum) oder der Rispen-Sauerampfer (Rumex thyrsiflorus).
Besondere Funde stellten jene des Nordamerika-Teufelszwirns (Cuscuta campestris), des hohen Perlgrases (Melica altissima), des Schneeball-Gänsefußes (Chenopodium opulifolium), des Rot-Gänsefußes (Ch. rubrum), der Schlitzblatt-Karde (Dipsacus laciniatus) und der Schmalblatt-Segge (Carex stenophylla) dar. Erfreulich sind vermehrte Funde des sehr seltenen Wimper-Mastkrautes (Sagina apetala) auf Autobahnrastplätzen.
Der Nachweis der Feld-Seide (Ufer-Rispenhirse (Panicum riparium) an der West-Autobahn bei Straßwalchen war ein weiteres Highlight. Gerade die Hirsearten erfuhren im heißen Sommer 2003 einen gewaltigen Schub. Die Haarstiel-Rispenhirse (Panicum capillare) bildet nun an vielen Straßen dichte Säume und die Glatte Rispenhirse (Panicum schinzii) vollzog eine ökologische Richtungsänderung, wanderte seither von den Äckern ausgehend entlang der Straßen.
Auch die Arten der Gattung der Liebesgräser zeigen sich in kräftiger Ausbreitung. Neben dem Kleinen Liebesgras (Eragrostis minor) sind es noch das Haarige Liebesgras (E. pilosa), das Elbe-Liebesgras (E. albensis) und vor allem das Japan-Liebesgras (E. multicaulis), die sich an Straßen ansiedeln.
Die Ausbreitung dieser Arten erfolgt in verschiedener Art und Weise: durch Verschleppung mit PKWs und LKWs, durch die Mähwerke der Straßenerhalter, durch Windverbreitung, … Nicht selten entstammen Pflanzen aber auch den Begrünungsansaaten, die nach dem Neubau von Straßenanlagen und Autobahnen ausgebracht wurden. Diese Populationen bilden dann meist Ausgangspunkte weiterer Verschleppungen. Zu diesen angesäten Arten zählen etwa der Raublatt-Schwingel (Festuca brevipila s.l.), der Geflügelte Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor subsp. polygama), der Gewöhnliche Echt-Wundklee (Anthyllis vulneraria subsp. pseudovulneraria), der Schweden-Klee (Trifolium hybridum), Feld-Klee (Trifolium dubium), die Gewöhnliche Esparsette (Onobrychis viciifolia), Bunt-Luzerne (Medicago x media), aber auch die Büschel-Nelke (Dianthus armeria), die gelegentlich in Straßenböschungen zu finden ist. Die beiden Fallsamengräser-Arten (Sporobolus vaginiflorus und S. neglectus) fallen vermutlich ebenfalls unter diese Kategorie, ebenso wie die Bläulich-Rispe (Poa humilis), die im Mühlviertel bereits an Straßen gefunden wurde, mir aber an den hiesigen Straßen und Autobahnen noch nicht aufgefallen ist.
Erstaunlich sind weiters die kürzlich festgestellten Vorkommen des Wiesen-Alants (Inula britannica) auf Autobahnmittelstreifen, eine seltene Art, die früher in den donaubegleitenden Wiesen zu finden war. Aus naturschutzfachlicher Sicht sind diese Autobahnsippen nicht mit den ursprünglichen heimischen Sippen vergleichbar, sondern stellen Neophyten dar.
In den umliegenden Ländern wurden eine Reihe weiterer Spezialisten unter den Pflanzen an den Autobahnen “aktenkundig”, die über kurz oder lang auch bei uns auftauchen werden, wie z. B. das Dänische Löffelkraut (Cochlearia danica), die um München an Autobahnen verbreitete Schlank-Karde (Dipsacus strigosa) und die Pontische Quecke (Elytrigia obtusiflora), die bereits bei Simbach am Inn unmittelbar an der Grenze “lauert”. Dies macht die “Autobahnbotanik” auch weiterhin zu einer spannenden Angelegenheit!
Michael Hohla
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